
Nachdem der Online Fotodienst Flickr nun seit letzer Woche mehrere Sprachen beherrscht, kam damit auch eine weitere Neuerung. Zur Erinnerung, Flickr hatte vor einiger Zeit sein sogenanntes SafeSearch System eingeführt. Beim Hochladen von Fotos konnte man angeben mit welchem Filter das Foto behandelt werden soll – safe, moderate oder restricted bzw. welcher Art Foto es ist – Foto, Kunst/Illustration oder ein Screenshot. Der eigene Zensurlevel wurde dabei auf „Safe“ gesetzt, was dazu führte das manche Fotos nicht mehr auffindbar waren. Viele User fühlten sich dadurch ihrer Freiheit beraubt und liefen in diversen Diskussionen Sturm.
Wie in schon so manchen Fällen wird diese Zensur, die man bei Flickr nun eingeführt hat, wie schon so manches an seinen eigenen Benutzern scheitern. Manche, die einfach zu faul sind ihr Profil anzupassen, werden dann wohl einfach herausgefiltert. Komisch nur das man für die Einführung des neuen Systems folgende Worte verwendet hat:
One of the best things about Flickr is that our membership is made up of people from so many places and diverse backgrounds. It’s important to us that everyone feels comfortable, despite vastly different cultural and personal comfort levels. What I like, you might not, and it’s up to the entire community to make this work. So, we’ve rolled out content filtering which allows you to flag your images as you upload and also set your viewing preferences for what you’d like to see (or not).
Nichts desto trotz, Flickr bleibt auf seiner harten Linie und verschärft nocheinmal die Regeln. Durch die nun vorhandene Mehrsprachigkeit wird nun überlegt internationale Standorte für Flickr einzurichten, was aber dazu führte das nun den Nutzern aus Deutschland, Singapur, Hong Kong und Korea die Möglichkeit genommen wurde ihren SafeSearch Filter zu deaktivieren. Die einfache Begründung dafür ist das die Geschäftsbedingungen in den fraglichen Ländern dies vorschreibt. Flickr hat außerdem alle User aufgefordert, ihre Profile mit den entsprechenden Informationen zu aktualisieren. Somit ist es nur mehr Nutzern über 18 Jahren gestattet, Bilder die mit dem Status „moderate“ oder „restricted“ gekennzeichnet sind einzusehen, dies aber auch erst nach vorangegangenen drücken eines kleinen Knopfes (Anzumerken sei, dass ich denn bis jetzt nicht gefunden habe). Verständnis kann man für beide Seiten zeigen. Einerseits ist es klar das Personen unter einem bestimmten Alter keine derarten Bilder sehen sollten, andererseits sollten die betroffenen Nutzer vorher Informiert werden und weiterhin die Möglichkeit haben selbst zu entscheiden.
Kann man sowas eigentlich Kontrollieren bzw.; Wie will man dies eigentlich kontrollieren? Dazu verwendet Flickr die vom Mutterkonzern übernommen Yahoo-IDs. Daran kann man Herkunftsland und Alter bestimmen wobei man sich dabei schon die Frage stellen muss ob alle hier auch richtige Angaben gemacht wurden. Womit dies als Basis für die Zensureinstufung nicht sehr vertrauenswürdig erscheint. Natürlich wird man die echte Methode nicht offiziell preisgeben, da man sonst sicher eine Möglichkeit finden würde diese zu übergehen.
Viele Nutzer schrieben kleine Romane in die Diskussionen diverser Flickrgruppen um eine Rückänderung des ganzen zu erwirken. Es wurden sogar schon einigen Fotos, wie das oben, gepostet um mehr User darauf Aufmerksam zu machen. So manche dieser Fotos haben es sogar bis auf die Explore Seite geschafft. Immer natürlich mit dem Gedanken verbunden dem Ärger Luft zu machen entstanden Gruppen, deutsche wie englische, die sich nur damit beschäftigen den Flickr Staff auf ihren Unmut hinzuweisen. Einige der Diskussionen haben es bereits bis ins Flickr eigene Help Forum geschafft.
Wer also wissen will ob er von der ganzen Sache betroffen ist oder nicht der braucht nur versuchen diesen Foto aufzurufen. Wer dann als Antwort „This photo is unavailable to you.“ erhält kann schon mal damit anfangen, sich zu überlegen was er in seine Beschwerde E-Mail schreibt.
Meiner Meinung nach, obwohl ich nicht in einem der betroffenen Länder lebe, fühle mich trotzdem genau so angegriffen wie alle andern. Nur weil es in manchen Ländern derarte Gesetztestexte gibt finde ich es nicht gerecht das alle anderen deutschsprachigen Länder genau so betroffen sind (Denn zu meiner Verwunderung kann ich das Bild auch nicht sehen!?!). Wenn ich die Bilder oder Galerien meiner Freunde oder Kontakte durchsehe möchte ich dies ohne irgendeiner Einschränkung tun und nicht immer daran denken ob ich vielleicht das eine oder andere Bild nicht sehe nur weil Flickr glaubt das es schädlich für mich ist. An diesem Beispiel kann man wieder sehen was passiert wenn ein großer Konzern sich einmischt. Nachdem Yahoo Flickr gekauft hat wurde dieses Zunehmens amerikanisiert und an die amerikanischen Kulturvorstellungen angepasst. Was einfach bedeutet das Geschäftsprinzip ist nicht mehr sozial orientiert sonder rein auf Profit ausgelegt. Inwieweit das mit der Einführung dieses radikalen Einstellungszwanges zusammenhängt sei dahingestellt, aber ganz ausschließen möchte ich es nicht.
Update am 15. Juni
- Warum auch immer ich konnte das Foto für kurze Zeit wieder sehen, aber jetzt ist es wieder „unavailable“. Hoffen wir mal, dass die Proteste nicht ungehört bleiben und wir auch weiterhin ohne Bevormundung Fotos betrachten können.
- Es gibt nun eine offizielle Stellungsnahme von Yahoo Deuschland zu dem Thema.
- Focus-Online hat nun auch schon einen Artikel darüber Online gestellt.
[...] bin nicht der Erste, der hier Stellung bezieht. Viele andere haben das auch schon getan (siehe z.B. Sascha, Philomenon, [...]